Gedichte über das Leben

Autor: Wolfgang Johannes Welk

Sommerlicht

Sommerlicht

Sommerlicht, wem bist du wohl entsprungen?

Ich fass dich nicht, nur meine Hügel

füllen ihre grünen Lungen

immerzu mit deinem Strahlen.

Tag ein, Tag aus beschwingst du treu

meine Täler, meine Qualen

mit deinen Quantensprüngen,

gleich, welcher Himmel mich erblickt.

Lichter Sommer, hat jemals jemand dich gezwungen?

Ich glaube nicht, denn selbst in meine dunklen Schluchten

hast du dich freundlich eingeschwungen

mit sanftem Wehen wild und frei.

Unentwegt erfrischst du täglich

meine schroffen Hänge unbeirrbar neu

mit deinem Lichterleuchten,

gleich welche Wolke mich entglückt.

Sommerlicht, wer kann Dich je verdecken?

Ich kann es nicht, ja selbst in meinem tiefsten Spalten

fühle ich Dein sich Entgegenstrecken

mit frisch getrosten Wellenfarben.

Ohne Unterlass durchdringst Du gnädig

mein Gestein und alle Narben

mit ungestilltem Überfluss,

bis ein ewg’er Sommer mich verzückt.

Warum sorgen?

Warum sorgen?

Das Licht geht immer dir voraus.

Zudem liegen tausend Augenblicke

so nah am Wegesrand,

ungenutzte Liebesstücke,

in denen Gottes Fülle wohnt.

L55; Q;https://pixabay.com/de/photos/wald-weg-b%c3%a4ume-drau%c3%9fen-868715/
https://pixabay.com/de/photos/wald-weg-b%c3%a4ume-drau%c3%9fen-868715/

Warum morgen?

Zieh’ nicht immer gleich ins Zukunftshaus,

denn das hat seine Tücke.

Zu tief im Morgenland

verpasst du viele kleine Glücke

für die es sich zu leben lohnt.

L55; Q;https://pixabay.com/de/photos/koffer-frau-m%c3%a4dchen-warten-reise-1488516/
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Liebe eint

Liebe eint,

was soll ich sagen?

Immerzu

und immerfort

sucht sie das Du

zu jederzeit

an jedem Ort.

L55; Q;https://pixabay.com/de/photos/flamingo-valentin-herz-valentinstag-600205/
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Liebe scheint

an grauen Tagen

ungefragt

ohne zu klagen

schenkt sie sich

ohne zu zagen

mit jedem Lichtstrahl

wieder neu.

L50; Q;https://pixabay.com/de/photos/schwan-paar-liebe-paarung-4013225/
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Liebe weint

sanft und scheu

bis wir erkennen

sie ist treu

und wird,

auch wenn wir‘s

jetzt nicht meinen,

am Ende wieder alles

von Anfang an

vereinen.

L55; Q;https://pixabay.com/de/photos/ein-tropfen-blume-rot-rose-green-4480749/
L55; Q;https://pixabay.com/de/photos/ein-tropfen-blume-rot-rose-green-4480749/

Krieg und Frühling

Oh Frühling, komm mit deinen Farben,

feg’ damit das Blut aus uns’ren Tränen,

schließ’ mit deinem Blütenduft die Narben

und treib’ den Krieg hinaus mit sanften Wehen!

Lass unser Hoffen nicht noch weiter darben!

Und dass wir bald die weißen Tauben sehen,

wie sie sich über uns

in den blauen Himmel winden,

wenn wir uns still auf deinen grünen Wiesen wiederfinden.

Oh Frühling, brich’ mit deinem Treiben

in uns’re harten Herzen ein,

sprenge alle Panzerscheiben

und still die Angst mit deinem Sprossen.

Lass dein Mühen doch nicht fruchtlos bleiben,

denn du bist doch ausgegossen

für und über uns,

damit wir tief in uns’rem kalten Gauen

einen blauen Himmel schauen.

L55;Q;https://pixabay.com/de/photos/panzer-krieg-schlachtfeld-heer-449772/

Oh Frühling, feg’ mit deinem Blühen

die Feinde aus dem Heimatland,

auf dass sie unversehens fliehen

und bring uns alle zu Verstand.

Lass uns einen Duft versprühen,

der deinem treuen Beispiel gleicht,

auf dass des Himmels blaues Wunderband

bis tief in alle Herzen reicht.

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